Eine Stimmung, die auch gemacht wird
Das neue Jahr ist nicht mehr ganz jung, die Tage sind noch immer kurz, und die erste Euphorie der Neujahrsvorsätze ist vielerorts verflogen. Wer die Schlagzeilen der letzten Wochen verfolgt hat, könnte meinen, der gesellschaftliche Abstieg sei unausweichlich. Teuerung, internationale Krisen, innenpolitische Spannungen und gesteuerte Empörungen dominieren den Diskurs. Es wird suggeriert, die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten stünde unmittelbar bevor. Diese düstere Stimmung ist kein Naturgesetz, sie ist auch das Ergebnis politischer Weichenstellungen und einer medialen Aufbereitung, die oft mehr auf Erregung als auf Aufklärung setzt.
Medien tragen Verantwortung
Journalismus und Medien tragen eine besondere Verantwortung. Ihre Aufgabe ist es, zu hinterfragen, objektiv zu informieren, einzuordnen und Orientierung zu bieten. Wenn jedoch Zuspitzung, Skandalisierung und Daueraufregung zum Geschäftsmodell werden, leidet das Vertrauen in unsere eigene Gestaltungskraft. Verantwortungsvoller Journalismus benennt Probleme klar, ohne Ängste zu schüren. Er macht Lösungen sichtbar, statt sie im Lärm der Empörung zu ersticken. 2026 brauchen wir keine Schlagzeilen-Demokratie, sondern einen ehrlichen, faktenbasierten Diskurs über die Zukunft unserer sozialen Sicherheit.
Fortschritt entsteht aus Zuversicht
Ein Blick in die Geschichte beweist. Resignation war noch nie der Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Die Generationen, die Österreich aufgebaut haben, handelten aus Zuversicht und dem unbedingten Willen, gemeinsam etwas Bleibendes zu schaffen. Diese Haltung ist das Fundament unseres Wohlstands, des sozialen Ausgleichs und jener Stabilität, die wir heute oft als selbstverständlich voraussetzen.
Dieses Erbe ist keine bloße Nostalgie – es ist unser Auftrag für das Jahr 2026. Digitalisierung, Klimawandel sowie die Sicherung von Gesundheit, Pflege und Pensionen müssen entschlossen angegangen werden, ohne dabei sozialen Rückzug zu predigen.
Politik ist kein Naturgesetz
Politik ist gestaltbar. Unsicherheit fällt nicht vom Himmel wie der Schnee in diesem Winter. Sie ist das Resultat politischer Prioritäten. Wenn Menschen sich heute um ihre Existenz sorgen, ist das die Folge von Entscheidungen, die am Gemeinwohl vorbeigehen. Seit Jahresbeginn dominieren Mahnungen zum Sparen, doch die Debatte über eine faire Lastenverteilung bleibt auffallend leise. Warum soll die breite Bevölkerung den Gürtel enger schnallen, während Vermögen, Erbschaften und Krisengewinne unangetastet bleiben? Soziale Sicherheit und faire Teilhabe ist kein Almosen und kein Schönwetter-Projekt. Wer Sparpakete fordert, ohne über Verteilungsgerechtigkeit zu reden, handelt unredlich gegenüber den Menschen in diesem Land.
Eine klare Orientierung für 2026
Dass wir heute im Februar stehen, bedeutet auch: 2026 liegt noch größtenteils vor uns; es ist genug Zeit, die Weichen richtig zu stellen. Wir dürfen Optimismus nicht als Naivität abtun. Optimismus ist in diesen Zeiten eine harte politische Notwendigkeit – gerade für jene, die auf verlässliche soziale Sicherheit angewiesen sind. Wir brauchen ein politisches Klima, das alle schützt, statt mit ständigen Reformankündigungen zu verunsichern, und Medien, die erklären und einordnen, statt zu polarisieren. Eine starke Gemeinschaft weiß, dass Fortschritt dort entsteht, wo der Mut größer ist als die Furcht.
Lassen wir uns die Zuversicht nicht von jenen nehmen, die aus der Angst politisches Kleingeld schlagen wollen. Machen wir 2026 zu einem Jahr des Aufbruchs und der Solidarität in unserer Gemeinschaft und darüber hinaus.
