Das sagt Manfred Obermoser über die lebensverändernde Erfahrung Pilgern:
Im Pillerseetal gab es vor Jahren das LEADER-Projekt „Jakobsweg Tirol“.
An einem Sonntag trafen wir beim Spazierengehen in Sankt Johann in Tirol auf ein Schild „Jakobsweg“ und gingen ein Stück auf diesem Weg.
Die Idee war geboren: Ich gehe den Jakobsweg.
Ich machte mich in Tagesetappen auf den Weg und ging bis Absam zu Fuß.
Dann wurde es Zeit zu schauen: Wie weit ist es bis Finisterre, dem „Ende der Welt“?
Es sind noch über 2.500 Kilometer.
Da ich regelmäßig alle 14 Tage Medikamente einnehmen muss, machte ich mir einen Plan und entschied mich, mit dem Rad zu fahren.
Zuerst bis in die Schweiz, ein Jahr später durch Frankreich bis Pamplona und im Folgejahr den Rest bis Finisterre.
Bei Vorträgen über den Jakobsweg in unserer Stube kam Interesse auf, selbst zu pilgern.
Ich erfuhr von Angeboten in unserer Gegend und schloss mich an.
Die Idee entstand, die Ausbildung zum Pilgerbegleiter zu machen, da es schwierig war, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Da ich auch Wanderbegleiter bin, habe ich einfach begonnen.
Schließlich ergab sich die Möglichkeit, die Ausbildung in Oberösterreich zu absolvieren, die sich über zwei Jahre erstreckte und sehr interessant war.
Pilgern ist uralt – es gehört zum Menschsein und zum Werden.
Seit es Menschen gibt – sogar schon bei den Neandertalern – machten sie sich auf den Weg, um zu suchen.
Der Glaube war geboren.
Das Leben ist ein Pilgerweg – von der Geburt bis zum Tod.
Glauben macht den Menschen aus.
An nichts zu glauben ist auch ein Glaube.
Was mir bei meinen Pilgerwanderungen wichtig ist:
die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen. Denn wichtig ist der Mensch – ob gläubig oder nicht. Es zählt nur eines: die Gemeinschaft.
Es geht darum, die Kultur, die Natur und die Geschichte der durchwanderten Gegend kennenzulernen.
Pilgern ist nicht Wallfahren oder Bittgang – auch diese haben ihren Platz.
Wir haben Zeit für ein stilles Gebet, wenn jemand möchte. Jeder kann seinen Tag individuell so einteilen, wie er oder sie es will.
Beim Pilgern lernt man viele verschiedene Menschen kennen. Religion, Hautfarbe oder Sprache spielen dabei keine Rolle.
Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere mich bei einer der nächsten Pilgerwanderungen begleitet.
