Diese Frage stellen sich viele Menschen in Tirol – besonders jene, die auf eine verlässliche Gesundheitsversorgung angewiesen sind. Wer heute monatelang auf einen Facharzttermin wartet oder Stunden in einer Ambulanz verbringt, spürt: So kann es nicht weitergehen.
Die Politik verspricht einen Neustart. Bund, Länder und Gemeinden wollen das Gesundheitssystem gemeinsam neu ordnen. Bis 2040 sollen österreichweit 75 Facharztzentren und rund 600 Primärversorgungseinheiten entstehen – 16 davon in Tirol. Das klingt nach Aufbruch. Doch entscheidend ist nicht, was angekündigt wird, sondern was bei den Menschen ankommt.
Zwei Systeme – ein Problem
Das eigentliche Hindernis liegt in der Finanzierung. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte werden von der Sozialversicherung finanziert, die Spitäler von den Ländern. Beide Systeme verfolgen unterschiedliche Finanzierungslogiken. Genau diese Trennung führt zu jener Fehlsteuerung, die der Rechnungshof – zuletzt im Bericht „Gesundheitssystem 2040“ vom Mai 2026 – seit Jahren kritisiert.
Jeder denkt ans eigene Budget
Die Folgen sind längst sichtbar. Oft gilt nicht das Prinzip „Geld folgt der Leistung", sondern „Geld folgt der Zuständigkeit". Viele Patientinnen und Patienten landen deshalb in Spitalsambulanzen, obwohl sie im niedergelassenen Bereich behandelt werden könnten. Das belastet Personal, verlängert Wartezeiten und verursacht vermeidbare Kosten.
Die Chance der Reform
Genau hier setzt die Reformpartnerschaft an. Sie verspricht eine gemeinsame Planung, eine bessere Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten und Spitälern sowie neue Versorgungsstrukturen mit Steuerung der Patientenströme. Facharztzentren sollen Ambulanzen entlasten, Primärversorgungseinheiten die medizinische Versorgung – vor allem im ländlichen Raum – stärken.
Doch neue Einrichtungen allein reichen nicht. Solange Finanzierung, Steuerung und Verantwortlichkeiten getrennt bleiben, drohen gute Ideen an alten Strukturen zu scheitern.
Die eigentlichen Baustellen
Die Reform muss mehr leisten als neue Organisationsformen zu schaffen. Personalmangel, steigender Pflegebedarf, unbesetzte Kassenstellen und regionale Versorgungslücken verlangen ebenso nach Lösungen. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels, die besonders ältere Menschen treffen. Eine gute Gesundheitsversorgung muss deshalb wohnortnah, rasch erreichbar und krisenfest sein.
Jetzt muss geliefert werden
Ob aus der Reformpartnerschaft mehr wird als ein Reformpäckchen, entscheidet sich nicht bei Pressekonferenzen. Entscheidend ist, ob Menschen schneller medizinische Hilfe erhalten, Pflegekräfte entlastet werden und ältere Menschen auch in Zukunft auf eine gute Versorgung vertrauen können.
Unsere Forderung
Gesundheitsversorgung bedeutet Sicherheit und Lebensqualität. Jeder Mensch muss sich darauf verlassen können, im Krankheitsfall rasch Hilfe zu bekommen – unabhängig davon, ob er im Großraum Innsbruck oder in einem Tiroler Seitental lebt.
Unser Grundsatz ist klar: Geld muss der Leistung folgen – nicht der Zuständigkeit. Die Reformpartnerschaft muss halten, was ihr Name verspricht: echte Zusammenarbeit, klare Entscheidungen und den Menschen im Mittelpunkt.
Denn Gesundheit ist keine Frage der Zuständigkeit, sondern der Verantwortung meint euer Landespräsident Herbert Striegl
