Die Geschichte des Pensionistenverbandes Österreichs

Vom "Verband der Arbeiter-, Unfall-, Landarbeiterrentner und Gemeindebefürsorgten Österreichs" zu Österreichs größter Senior*innenorganisation

© Pensionistenverband Österreichs

Als am 17. September 1949 der „Verband der Arbeiter-, Unfall-, Landarbeiterrentner und Gemeindebefürsorgten Österreichs" gegründet wurde, gab es noch keine umfassende Altersversorgung, kaum Leistungen für Witwen, überhaupt keine für Gewerbetreibende und Bauern. Viele der älteren Menschen in Österreich waren damals auf die Fürsorgeunterstützungen („Fürsorgerente") der Gemeinden angewiesen.

Deshalb stand der Kampf gegen die Armut in den ersten 15 Jahren seines Bestehens im Mittelpunkt der Arbeit des Verbandes, der in diesen ersten Jahren auch mehrmals seine Bezeichnung änderte: 1951 in „Verband der Arbeiterrentner Österreichs", 1959 in „Verband der österreichischen Rentner und Pensionisten".

Erste Erfolge für die Arbeit des Verbandes: 1956 wurde mit dem allgemeinen Sozialversicherungsgesetz der Grundstein für die heutige soziale Sicherheit in Österreich gelegt, 1965 das Pensionsanpassungsgesetz beschlossen. Ab den 1970er-Jahren - beginnend mit der Ära von Bundeskanzler Kreisky - trat eine Reihe von Verbesserungen des Sozialsystems in Österreich in Kraft: Witwen- und Bauernpension, Hilflosenzuschuss, Ausgleichszulagen, Gebührenbefreiungen und anderes mehr. Nach der finanziellen Absicherung konzentrierte sich das Wirken des Verbandes, dessen Name 1975 in „Pensionistenverband Österreichs" (abgekürzt: PVÖ) geändert wurde, auf den Kampf gegen die Einsamkeit, die Förderung der Lebensfreude und die Etablierung der Mitspracherechte der älteren Generation.

Zahlreiche kulturelle und sportliche Einrichtungen entstanden in den Ortsgruppen des Pensionistenverbandes, Vorträge wurden organisiert, Ausflüge und erste größere gemeinsame Reisen unternommen: Seit 1972 gibt es im Pensionistenverband die „Frühjahrstreffen". Was damals als Busreise nach Caorle für etwa 500 Teilnehmer begann, hat sich bis in die Gegenwart - mittlerweile organisiert vom verbandseigenen Reisebüro und -veranstalter „SeniorenReisen" - zur europaweit größten Reiseveranstaltung für die ältere Generation entwickelt.

Zum 50-Jahre-Jubiläum im September 1999 kann der Pensionistenverband auch auf große Erfolge auf dem Gebiet der Mitbestimmung und Mitsprache für Österreichs Senioren zurückblicken: Auf Druck des Pensionistenverbandes beraten Seniorenvertreter mittlerweile in den Beiräten der Krankenkassen und der Pensionsversicherungsanstalten. Als Meilensteine der Selbstvertretung der älteren Generation gelten die Schaffung des „Österreichischen Seniorenrates" im Jahr 1997 und der Beschluss des „Bundesseniorengesetzes" am 18. Juni 1998.

Die Mitgliederzahl steigt: Mehr als 350.000 Mitglieder zählt der PVÖ mittlerweile und gerade in der Zeit nach dem 50-Jahre-Jubiläum 1999 hat sich gezeigt, wie wichtig ein starker Pensionistenverband als Interessenvertretung ist.

Die schwarz-blaue bzw. schwarz-blau-orange Regierung zwischen den Jahren 2000 und 2006 hat eine Reihe von Verschlechterungen für ältere Menschen gebracht. Aber der Pensionistenverband hat entschlossen und mit unglaublicher Kampfkraft dagegengehalten. Dabei hat er sich die Stärkung der Generationensolidarität durch den Generationendialog zum Grundsatz gemacht: „Jung gegen Alt" führt - wie sich gezeigt hat - zu Verschlechterungen für gegenwärtige und zukünftige Generationen von Pensionisten. Die von der ÖVP propagierte und nicht zuletzt vom Pensionistenverband zu Fall gebrachte „Pensionsautomatik" war der unrühmliche Höhepunkt dieses Denkens.

Durch die Finanzkrise 2008 und die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise stand der PVÖ vor neuen Herausforderungen. „Mehr Geld im Börsel“ war das Ziel einer vom Pensionistenverband geforderten Steuerreform, von der Pensionisten nennenswert profitieren sollten. Der PVÖ kampagnisierte erfolgreich: 240.000 Unterschriften wurden persönlich von Präsident Blecha ins Kanzleramt gebracht. Die Steuerreform kam schließlich 2016; eine Erhöhung des Pflegegelds um 2 Prozent in allen Stufen und der berühmt gewordene „Pensionisten Hunderter“ brachten zusätzlich finanzielle Vorteile für Pensionisten.

2017 ein sozialpolitischer Meilenstein: die Abschaffung des Pflegeregresses. Eine weitere langjährige Forderung des Pensionistenverbandes wurde umgesetzt. Tausende Familien waren davon unmittelbar betroffen, noch viel mehr Familien konnte damit eine große Zukunfts-Sorge genommen werden.

Nach einer von der neuen türkis-blauen Regierung im Jahr 2018 verordneten Pensionsanpassung für 2019, die weit unter der Teuerungsrate lag, berief PVÖ-Präsident Kostelka nach dem Scheitern dieser Regierung im Sommer 2019 einen „Pensionsgipfel“ ein, der die Grundlagen für die beste Pensionserhöhung seit 25 Jahren ausarbeitete: Pensionsanpassung in Höhe der doppelten Teuerungsrate für kleine und mittlere Pensionen – das betraf 56 Prozent aller Pensionen. Weitere 35 Prozent bekamen 2020 eine Pensionserhöhung, die über der Teuerungsrate lag.

Weiters konnte erreicht werden, dass das Pflegegeld ab 2020 jährlich erhöht wird, dass die Mindestpensionen für Alleinstehende und (Ehe-)Paare mit langen Dienstzeiten erhöht wurden, dass auch Ausgleichszulagenbezieher eine Steuergutschrift („Negativsteuer“) erhalten und dass der Pensionisten-Absetzbetrag erhöht wurde.

Das Jubiläumsjahr zum 70. Bestehen des Pensionistenverbandes wurde damit zu einem der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des PVÖ.   

In Zukunft gilt es, diese Erfolge abzusichern und weiter auszubauen. Der Pensionistenverband hat ein Pflegekonzept ausgearbeitet, das den großen zukünftigen Herausforderungen auf diesem Gebiet begegnet. Der Pensionistenverband arbeitet aktuell mit dem WIFO (Wirtschaftsforschungsinstitut) an einer neuen Pensionsanpassungsformel, die neben der Teuerungsrate auch Faktoren wie Entwicklung der Produktivität, der Löhne und des allgemeinen Wohlstands berücksichtigt.

Die Organisation

Die Struktur des Verbandes besteht heute aus der Verbandszentrale, den 9 Landesorganisationen, 113 Bezirksorganisationen und 1.635 Ortsgruppen.

Die ehrenamtlichen Entscheidungsträger sind der Präsident, das Verbandspräsidium und der Verbandsvorstand, in den Landesorganisationen die Landesvorsitzenden sowie der jeweilige Landesvorstand bis hin zu den Ortsgruppen, wo der/ die Ortsgruppenvorsitzende und die Mitglieder des Ortsgruppenausschusses die Geschäfte führen. Die Verbandszentrale befindet sich in der Gentzgasse 129, 1180 Wien. Der Verband hat in ganz Österreich rd. 50 Angestellte, darunter auch die Verbands- und Landessekretäre.

Die Zeitung

Die jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit des Pensionistenverbandes ist auch in seinen periodisch erscheinenden Publikationen zu erkennen - die Mitgliederzeitung ist ein echtes Sprachrohr des Verbandes.

Und auch an ihrem Erscheinungsbild lässt sich die positive Entwicklung des Pensionistenverbandes nachvollziehen: 1950 erscheint „Der Arbeiterrentner" vierteljährlich mit einem Umfang von vier Seiten. 1959 wird der Name auf „Rentner & Pensionist" geändert, der Umfang erweitert und die Erscheinungsweise auf alle zwei Monate umgestellt. Laufend werden Verbesserungen (z.B.: Vierfarbendruck ab 1978) und Erweiterungen vorgenommen.

Ab 1992 heißt das Magazin „Unsere Generation" und seit 2010 erscheint das Mitglieder-Magazin unter dem Kurztitel "UG". Heute hat jede Nummer mindestens 60 durchgängig vierfärbig bedruckte Seiten und erscheint in 18 regional verschiedenen Ausgaben, wodurch unsere Mitglieder wirklich punktenau über die Aktivitäten in ihrer Heimatregion informiert werden.

Die Mitgliederbewegung

Zählte der Verband im ersten Jahr seines Bestehens 500 Mitglieder, waren es 3 Jahre später bereits 12.000, 1960 trat das 100.000. Mitglied bei. In den Sechziger- und Siebzigerjahren konnte die Mitgliederzahl kontinuierlich gesteigert werden. Der heutige Mitgliedsstand beträgt mehr als 385.000.

Die Aktionen und Veranstaltungen

Es entwickelten sich die verschiedenartigsten Aktivitäten, die von unseren Organisationen durchgeführt werden. Neben Reisen und Sport stehen gesellige Unternehmungen, zum Beispiel Feste zu besonderen Anlässen (Muttertag, Weihnachten usw.) auf dem Programm, in den zahlreichen Chören und Orchestern wird gesungen und musiziert.

Darüber hinaus gibt es Bastelgruppen, Filme werden gezeigt und interessante Vorträge gehalten. Mit seinem Angebot trägt der Pensionistenverband auch wesentlich zum Kampf gegen die Einsamkeit bei. Jährlich nehmen an rund 120.000 Veranstaltungen weit mehr als 3,5 Millionen Menschen teil. Neu und beliebt: Die Computer- und Internetkurse. Seit 2012 bieten der PVÖ und SeniorenReisen mehrtägige Seminare zu zahlreichen Themen für interessierte Funktionärinnen und Funktionären an. Rund 1.000 haben bereits die PVÖ-Akademie besucht. 

Die Sportaktivitäten

Ende der Sechzigerjahre entstanden die ersten Sportgruppen des Verbandes. Es wird gekegelt, gewandert, geturnt, Schlittschuh gelaufen, geschwommen ...

1977 wurde in 50 Gruppen gesportelt, 1985 waren es bereits 1.000 Sportgruppen, heute werden in rund 2.500 Gruppen verschiedenste Sportarten betrieben. Darüber hinaus finden jedes Jahr große landes- und bundesweite Kegel-, Stocksport-, Ski- und Langlaufmeisterschaften statt, ebenso schöne Wandertage, Radausflüge, es gibt sogar ein eigenes Seniorensportabzeichen ...

Das Service

Jede Landesorganisation bietet den Mitgliedern des Pensionistenverbandes Rat und Hilfe bei allen Pensions- und Steuerfragen, Rechts- und Testamentsangelegenheiten. Die Aktion "Seniorenhilfe" unterstützt unverschuldet in Not geratene Mitglieder. Ca. 3.100 Mitgliedern wird jedes Jahr finanziell geholfen.

Die Konsumentenschutzberatung setzt sich für die Rechte der älteren Generation als Konsumenten ein. Im Februar 2003 situierte sich der "Kosumentenpolitische Beirat" mit Mitgliedern aus allen Landesorganisationen, dessen Ziel es ist, Information und Hilfe bis in die Ortsgruppen anzubieten.

Ausserdem werden verbilligte Theatervorstellungen, Ermäßigungen bei Ausstellungen und kulturellen Aktivitäten geboten.

Die Vorsitzenden

  • August Kaderavek  17.09.1949 - 10.02.1956
  • Rudolf Schmid   10.02.1956 - 21.09.1962
  • Franz Vlasak   21.09.1962 - 30.04.1968
  • Bruno Rother   30.04.1968 - 23.07.1973
  • Robert Uhlir   15.05.1966 - 28.02.1980
  • Felix Slavik   28.02.1980 - 06.10.1980
  • Franz Seitler   06.10.1980 - 16.02.1983
  • Otto Rösch   16.02.1983 - 03.04.1991
  • Rudolf Pöder   03.04.1991 - 17.03.1999
  • Karl Blecha   17.03.1999  - 16.03.2018
  • Dr. Peter Kostelka seit 16.03.2018
Sonderbroschüre "70 Jahre Pensionistenverband Österreichs"

Von der Gründung 1949 bis ins Jahr 2019

Anlässlich des 70-Jahre-Jubiläums wurde im Jahr 2019 eine Sonderbroschüre erstellt. Diese zeigt die Geschichte des Pensionistenverbandes Österreichs von seiner Gründung im Jahr 1949 bis zum Jahr 2019. Einfach klicken, PDF öffnen/herunterladen und in die spannende und bewegte Geschichte der größten Senior*innenorganisation Österreichs eintauchen!

Hier klicken und die ganze Broschüre lesen!

Eckdaten und Rechtliches rund um den Pensionistenverband Österreichs

Für alle, die es ganz genau wissen wollen

Präsident:
Dr. Peter Kostelka

Rechtsform:
Der Pensionistenverband Österreichs ist ein privater Verein (Non-Profit-Organisation). Sitz des Verbandes ist die Verbandszentrale in Wien.

Mitglieder:
Der Pensionistenverband Österreichs ist mit rund  350.000 Mitgliedern die stärkste Seniorenorganisation Österreichs.

Der Pensionistenverband Österreichs ist eine Interessensvertretung der 50-plus-Generation.

Statuten:
§ 1 Name, Sitz und Tätigkeitsbereich des Vereines

(1) Der Verein führt den Namen "Pensionistenverband Österreichs", abgekürzt "PVÖ".

(2) Er hat seinen Sitz in Wien und erstreckt seine Tätigkeit auf das gesamte Gebiet der Republik Österreich.

... Mehr gibt es hier: