Was 1976 als Interessenvertretung für Seniorinnen und Senioren begann, ist heute eine bedeutende Institution des österreichischen Sozialstaates. Rund 2,5 Millionen ältere Menschen werden durch den Seniorenrat vertreten. Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier standen die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte, aber auch die Herausforderungen der Zukunft – von sozialer Sicherheit über Pflege bis hin zu Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.
Ein besonderes Zeichen setzte die Organisation mit ihrer aktuellen Führung: Erstmals stehen mit Birgit Gerstorfer (Pensionistenverband Österreichs) und Ingrid Korosec (Seniorenbund9 zwei Frauen an der Spitze des Seniorenrates. Beide sehen darin ein wichtiges Signal für mehr Sichtbarkeit und Mitgestaltung von Frauen in allen Lebensphasen.
Gerstorfer: Der Seniorenrat repräsentiert und vertritt die ältere Generation
PVÖ- und Seniorenrats-Präsidentin Birgit Gerstorfer unterstrich in ihrer Festrede die Bedeutung der Organisation. Der Seniorenrat sei als Zusammenschluss der größten Seniorenorganisationen Österreichs einzigartig. Durch jahrzehntelange Zusammenarbeit sei es gelungen, wichtige Verbesserungen bei Pensionen, Pflege und gesellschaftlicher Anerkennung älterer Menschen zu erreichen. Nun sei die Zeit gekommen, diese Rolle auch offiziell anzuerkennen und dem Seniorenrat Stimmrecht als Sozialpartner einzuräumen.
Wollen als Sozialpartner mit Stimmrecht anerkannt werden
“Der Seniorenrat weiß aus Erfahrung: Altersdiskriminierung ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Und genau deshalb braucht es politische Vertretung. Diese Vertretung repräsentiert der Seniorenrat seit 50 Jahren – Manchmal ist er unbequem und hartnäckig, aber immer ist er notwendig. Seit 50 Jahren erinnert der Seniorenrat Politik und Verwaltung daran, dass ältere Menschen keine Fußnote sind. Er stellt Fragen, wo andere gerne weiterblättern würden. Er fordert Beteiligung, wenn Entscheidungen längst gefallen scheinen. Und er mahnt, wenn die Bedürfnisse der älteren Generation – und achten Sie jetzt auf das unmögliche Wort - „mitgedacht“ werden. Kurz gesagt: Der Seniorenrat ist unbequem. Und genau das war und ist seine Stärke”, betonte Gerstorfer.
Wir, die ältere Generation, sind ein Drittel der österreichischen Bevölkerung und wollen mehr als nur angehört werden, so die PVÖ- und Seniorenratspräsidentin, die weiter ausführte: “Und daher wollen wir eine echte Interessensvertretung für die ältere Generation (werden) mit echten Entscheidungsrechten, um noch stärker unsere Interessen vertreten zu können.”
Zahlreiche prominente Ehrengäste und Festredner*innen
Zu den prominenten Gästen des Festakts zählten Sozialministerin Korinna Schumann, Staatssekretär Alexander Pröll sowie die Präsidentin der Bundesarbeitskammer, Renate Anderl. In Videobotschaften gratulierten Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker zum Jubiläum und würdigten den langjährigen Einsatz für die ältere Generation.
Einen Blick in die Zukunft warf der renommierte Genetiker Prof. Markus Hengstschläger. In seinem Festvortrag „Zwischen Erfahrung und Fortschritt“ sprach er über die Chancen einer Gesellschaft des langen Lebens und die Bedeutung lebenslangen Lernens in einer zunehmend digitalen Welt.
Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Ensemble der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Durch das Programm führte die bekannte Moderatorin Heilwig Pfanzelter.
Festschrift “50 Jahre - Starke Stimme”
Anlässlich des Jubiläums erschien zudem die Festschrift „50 Jahre – Starke Stimme“. Sie dokumentiert die wichtigsten Meilensteine der österreichischen Seniorenpolitik und zeigt, wie sich die Interessenvertretung über fünf Jahrzehnte hinweg zu einer zentralen Stimme für ältere Menschen entwickelt hat.
Mit dem Jubiläum blickt der Österreichische Seniorenrat nicht nur auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurück, sondern richtet den Blick vor allem nach vorne: auf eine Gesellschaft, in der ältere Menschen aktiv mitgestalten und ihre Anliegen auch künftig Gehör finden.