Mehrbelastungen für Ältere begrenzen
Die in der ÖGK beschlossenen Satzungsänderungen bedeuten unter anderem eine Reduktion des Sonderzahlungszuschlags beim Krankengeld, zusätzliche Hürden bei längerer Krankengeldbezugsdauer, die Streichung von Familienzuschlägen, höhere Selbstbehalte beim unentbehrlichen Zahnersatz sowie strengere Kriterien für Krankentransporte. „Für viele ältere Arbeitnehmer*innen und Pensionist*innen mit fixen und oft knappen Einkommen sind solche Mehrbelastungen schlicht nicht verkraftbar“, so Gerstorfer. „Niemand bestreitet, dass die ÖGK vor finanziellen Herausforderungen steht – aber Sanierung darf nicht heißen, dass chronisch Kranke, Menschen mit niedrigen Pensionen oder mit Mobilitätseinschränkungen die Hauptlast tragen.“
Ältere zahlen schon jetzt überproportional
„Die ältere Generation leistet bereits jetzt einen überdurchschnittlich hohen Beitrag zur Stabilisierung der Krankenversicherung – allein durch die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionist*innen bringt sie der Kasse rund eine halbe Milliarde Euro jährlich zusätzlich“, erinnert Gerstorfer. „Es ist schlicht unfair, jene, die ein Arbeitsleben lang eingezahlt haben und nun zusätzlich höhere Beiträge tragen, noch einmal mit Leistungskürzungen zu konfrontieren.“
Stärkere Mitsprache der älteren Generation
Die aktuellen Entwicklungen zeigen aus Sicht des Pensionistenverbands deutlich, wie wichtig eine starke Stimme der älteren Generation in den Entscheidungsstrukturen der Sozialversicherung ist. „Wenn bei Satzungsänderungen niemand im Raum sitzt, der konsequent nachfragt, was das für eine 75-jährige Mindestpensionistin oder einen pflegebedürftigen Pensionisten bedeutet, dann entstehen Entscheidungen, die an der Lebensrealität vorbeigehen“, warnt Gerstorfer. Der Pensionistenverband sieht sich daher in seinen langjährigen Forderungen bestärkt: „Wir brauchen verbindliche Mitbestimmungsrechte der älteren Generation in der ÖGK – nicht erst, wenn Sparpakete fertig verhandelt sind, sondern von Anfang an am Verhandlungstisch.“
Runder Tisch für faire Lösungen
Statt weiterer Diskussionen über Kürzungen schlägt der Pensionistenverband einen strukturierten Dialog vor: Einberufung eines Runden Tisches von ÖGK, Seniorenrat, Patienten- und Behindertenvertretungen, Ärztekammer und Sozialministerium, eine gemeinsame Durchsicht der beschlossenen Satzungsänderungen mit dem Ziel, besonders belastende Maßnahmen für Ältere nachzubessern oder zurückzunehmen, sowie die Entwicklung eines fairen Sanierungspfads, der auch Effizienzsteigerungen, Verwaltungskosten und neue Finanzierungsquellen einbezieht, statt ausschließlich auf Leistungsreduktionen zu setzen. „Wir sind bereit, konstruktiv mitzuarbeiten – aber wir erwarten, dass die Anliegen der älteren Generation dabei gleichberechtigt berücksichtigt werden“, betont Gerstorfer. Der Leitantrag des Pensionistenverbands zur Stärkung der Mitbestimmung älterer Menschen in der Sozialversicherung bekomme durch die aktuellen ÖGK-Beschlüsse zusätzliche Dringlichkeit: „Unser Ziel ist klar: ein Gesundheitssystem, das finanzierbar bleibt, aber niemanden zurücklässt – schon gar nicht jene, die ein Leben lang Beiträge geleistet haben“, so Gerstorfer abschließend.
