Statt höherer Einnahmen für das Pensionssystem droht lediglich eine Verlagerung der Kosten in die Arbeitslosenversicherung. „Solange tausende Menschen über 50 keinen Arbeitsplatz finden, führt ein höheres gesetzliches Pensionsalter nicht zu mehr Beitragszahlern, sondern zu mehr Altersarbeitslosigkeit. Die Betroffenen beziehen dann länger Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe. Das entlastet den Staat nicht – die Rechnung wird lediglich an anderer Stelle bezahlt“, erklärt PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer.
Bereits in der gestrigen Presseaussendung hat der PVÖ darauf hingewiesen, dass die Finanzierung des Pensionssystems nicht durch ein höheres gesetzliches Pensionsalter gesichert wird, sondern dadurch, dass Menschen tatsächlich bis zur Pension beschäftigt bleiben können. Genau hier versagt der österreichische Arbeitsmarkt.
Altersarbeitslosigkeit bei Frauen steigt stark
Besonders deutlich zeigt sich das derzeit bei Frauen. Seit Beginn der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Frauenpensionsalters ist die Zahl der arbeitslosen 60-jährigen Frauen massiv gestiegen. Im März 2026 waren bereits 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren arbeitslos – rund dreieinhalbmal so viele wie zu Beginn des Jahres 2024. Bei den 61-jährigen Frauen stieg die Zahl auf rund 1.900 – etwa das Zehnfache des Ausgangswerts.
Diese Entwicklung bestätigt aus Sicht des PVÖ, dass eine weitere Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters oder ein Automatismus nach Lebenserwartung die Probleme lediglich verschärfen würde. Der PVÖ lehnt daher beide Modelle entschieden ab.
Bonus-Malus-System: Betriebe in die Verantwortung nehmen
Statt ausschließlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Pflicht zu nehmen, fordert der PVÖ die Einführung eines österreichweiten Bonus-Malus-Systems für Unternehmen.
Betriebe, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über das 60. Lebensjahr hinaus beschäftigen oder neu einstellen, sollen künftig finanziell belohnt werden. Unternehmen, die deutlich unter einer altersgerechten Beschäftigungsquote liegen, sollen einen höheren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten.
Der PVÖ schlägt dafür ein ausgewogenes Modell vor:
- Bonus und Malus für Betriebe
- Branchenspezifische Zielquoten statt einer starren Einheitsregel,
- Ausnahmen für körperlich besonders belastende Berufe,
- Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sowie Start-ups bleiben ausgenommen,
- Sämtliche Malus-Einnahmen werden für die Stärkung des Pensionsversicherungssystems zweckgebunden
- Evaluierung und Anpassung der Zielquoten alle drei Jahre entsprechend der Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung.
„Seit Jahren wird von den Menschen verlangt, länger zu arbeiten. Gleichzeitig werden viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon Jahre vor der Pension aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Solange sich daran nichts ändert, ist jede Debatte über ein höheres Pensionsalter unehrlich. Wer länger arbeiten soll, muss auch länger arbeiten können“, stellt Gerstorfer klar.
Jetzt ist die Wirtschaft gefordert
Gerade angesichts des Fachkräftemangels sei es wirtschaftlich unsinnig, auf die Erfahrung älterer Beschäftigter zu verzichten. „Unser Bonus-Malus-System schafft endlich einen wirtschaftlichen Anreiz, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Betrieb zu halten. Das stärkt die Beschäftigung, entlastet die Arbeitslosenversicherung, verbessert die Finanzierung des Pensionssystems und ist gerechter als jede weitere Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters. Jetzt ist die Wirtschaft gefordert – nicht die Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben“, so Gerstorfer abschließend.
