„Die Menschen haben ein Recht auf eine ehrliche Debatte über ihre Pensionen. Dazu gehört, Zahlen nicht zu verkürzen und unterschiedliche Leistungen nicht in einen Topf zu werfen“, sagt Manfred Lackner, Präsident des Pensionistenverbandes Vorarlberg.
Pensionsdebatte braucht klare Zahlen
Für 2026 werden für Pensionsversicherung sowie Beamtenpensionen und Pflegegeld insgesamt rund 34,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Rund 20,3 Milliarden Euro davon entfallen auf die Pensionsversicherung, rund 13,9 Milliarden Euro auf Beamtenpensionen einschließlich Pflegegeld.
Für Lackner ist diese Unterscheidung zentral: „Eine große Milliardenzahl allein sagt noch wenig aus. Entscheidend ist, wofür das Geld tatsächlich verwendet wird. Wer über die Finanzierung der Pensionen diskutiert, muss diese Unterschiede sichtbar machen.“
Auch die langfristigen Prognosen zeigen aus seiner Sicht, dass eine sachliche Betrachtung notwendig ist. Laut Ageing Report der Europäischen Kommission steigen die öffentlichen Pensionsausgaben zunächst von 13,7 Prozent des BIP im Jahr 2022 auf rund 15,1 Prozent im Jahr 2032. Danach geht die Quote wieder zurück und liegt 2070 bei rund 14 Prozent.
„Natürlich verändert sich unsere Gesellschaft. Mehr Menschen erreichen das Pensionsalter, und darauf muss man reagieren. Aber aus einer demografischen Entwicklung darf kein permanentes Krisenszenario gemacht werden“, so Lackner.
Vorarlberg: Ältere dürfen am Arbeitsmarkt nicht abgeschrieben werden
Für den PVÖ-Vorarlberg-Präsidenten liegt ein wesentlicher Schlüssel am Arbeitsmarkt. Im August 2026 waren in Vorarlberg 2.252 Menschen über 55 Jahre arbeitslos gemeldet – um 16,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
„Wenn über längeres Arbeiten gesprochen wird, müssen wir zuerst darüber reden, ob ältere Menschen überhaupt eine faire Chance auf Beschäftigung haben“, sagt Lackner. „Es hilft niemandem, das Pensionsalter theoretisch nach oben zu verschieben, wenn Betroffene vorher in der Arbeitslosigkeit landen.“
Deshalb tritt der PVÖ für ein Bonus-Malus-System ein. Unternehmen, die ältere Menschen beschäftigen oder neu aufnehmen, sollen unterstützt werden. Betriebe, die ältere Beschäftigte systematisch zu wenig berücksichtigen, sollen stärker in die Verantwortung genommen werden.
„Der beste Beitrag zur Finanzierung der Pensionen ist, wenn Menschen bis zum tatsächlichen Pensionsantritt gut und gesund beschäftigt bleiben können.“
Finanzierung breiter aufstellen
Lackner fordert zudem, die Finanzierung des Sozialstaates breiter zu denken. Sehr große Vermögen und Erbschaften, hohe Krisen- und Übergewinne sowie neue Formen automatisierter Wertschöpfung müssten stärker berücksichtigt werden.
„Unser Sozialstaat darf nicht beinahe ausschließlich davon abhängig sein, was auf Arbeitseinkommen eingehoben wird. Wenn sich Wertschöpfung verändert, muss sich auch die Finanzierung weiterentwickeln.“
Für Lackner geht es letztlich um Vertrauen: „Pensionistinnen und Pensionisten brauchen Sicherheit. Und junge Menschen müssen darauf vertrauen können, dass es auch für sie später eine verlässliche Pension gibt. Dafür brauchen wir keine Schlagworte, sondern nachvollziehbare Zahlen, gute Arbeitsmarktpolitik und eine faire Finanzierung.“
Im kommenden Jahr wird PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer im Rahmen ihrer österreichweiten Informationstour auch nach Vorarlberg kommen. Gemeinsam mit Manfred Lackner wird sie dort über das Pensionssystem, seine Finanzierung und die wichtigsten Fakten informieren.
