Interessensvertretung

© Michael Vogler

„Ein graues Haar macht noch keine Weisheit“– Plädoyer für Faltenstolz – die Kraft der Erfahrung nutzen und weitergeben

Michael Vogler, knapp 70, Berater und Coach, der in Spanien, Frankreich und Österreich studierte, hat 2018 ein Buch zum Thema „Neuer Generationenvertrag“ geschrieben. Das Buch „WIR – Plädoyer für einen neuen Generationenvertrag“, Verlag Edition Konturen, zielt vor allem darauf, das Älterwerden positiv zu bewerten und es sogar als Impuls und Motivation zu sehen, den nächsten Generationen die gewonnenen Erfahrungen als Orientierung anzubieten.

Susanne Eiselt hat mit ihm über das Buch gesprochen: Alter ist kein Defizit oder Abstieg, sondern eine neue Ressource, die es zu entdecken, zu pflegen und weiterzugeben gilt.

© Edition Konturen

Er habe sein Buch geschrieben, um die Jungen zu verteidigen gegen die Vorwürfe, die über sie verbreitet werden, so der Autor und Berater Michael Vogler. Die Jungen haben verrückte Ideen, gründen Start-Ups und die Älteren können dabei aufgrund ihrer Erfahrung diverse mögliche Szenarien als Orientierung bieten. „Es geht mir nicht um ein „Besser-Wissen“, sondern um eine Verbindung. Wenn die Kraft der Jungen sich mit der Koordinationsfähigkeit der mittleren Generation und dem Überblick der Älteren verbindet, dann ist das Optimum an Zukunftsfähigkeit erreicht“. Es ist ein Plädoyer der Verbindung, seine Vision ist, dass die Generationen stärker miteinander leben und Aktivitäten und berufliche Ideen gemeinsam gestalten. Es sei schade, dass es diese „Altersblasen“ gebe, nur die „Jungen unter sich und dann später die Alten unter sich“, so blieben alle unter sich und es entstünde kaum Austausch, Bewegung oder Innovation. In seinem privaten und persönlichen Umfeld sei er auf Verunsicherung und Demotivation gestoßen und auch auf ein konservatives Gesellschaftsbild, das die Jugend am „aufsteigenden Ast“ und die „Alten“ auf dem „absteigenden Ast“ zeige. Das sei heute nicht mehr gültig, er sehe, dass heutige 60-Jährige in ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit einem „Zustand entsprechen, in dem sich ihre eigenen Eltern mit 45 Jahren befanden“. Daher sei das Aufgabenfeld der Älteren die Herstellung und Pflege sozialer Zukunftsvorstellungen und Strategien. Er sieht nicht mehr diese lineare Kurve, sondern spricht von jungen Erwachsenen – mittleren Erwachsenen – älteren Erwachsenen.

Sein Plädoyer lautet: „Wir alle brauchen Perspektiven“. In Pension zu gehen sei nicht einfach ein „abendfüllender“ Zustand mit Chips, Bier und TV, sondern biete, sofern die Person geistig und körperlich gesund sei, ein weites Spektrum an Möglichkeiten. Vogler geht sogar so weit, dass er von einer Art „Generationenverpflichtung“ spricht: Jene, „Weisheit vorzuleben“. In seinem Buch bringt er dazu mehrere Beispiele und spricht dabei von den alten Elefanten, von Persönlichkeiten, die verstehen und verstanden werden. „Verstehen bedeutet Zuhören“, so Volger weiter, „und so zu kommunizieren, dass keine Überheblichkeit der Senioren spürbar ist.“

Michael Vogler ist seit seiner eigenen Pensionierung Projektleiter bei der „Stadt des Miteinanders“ in Tulln. Eines der Projekte heißt „Die alten Elefanten“ – eine Gruppe von pensionierten Führungskräften, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Stärken und Erfahrungen in die „Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft“ zu tragen.

WIR – Plädoyer für einen neuen Generationenvertrag, Michael Vogler Edition Konturen.