Medien und andere Einrichtungen warnen seit Jahren immer wieder vor dem Enkel- oder Neffentrick – wieso schlittern Menschen dennoch in diese Falle, was machen die Betrüger dabei so geschickt?
Seit Jahren warnen Polizei, Medien und Banken vor sogenannten Schockanrufen. Dennoch gelingt es Betrügern immer wieder, Menschen – vor allem ältere Personen – um ihr Erspartes zu bringen. Der Grund liegt weniger in mangelnder Information, sondern vielmehr in der gezielten psychologischen Vorgehensweise der Täter. Diese arbeiten äußerst professionell und skrupellos. Sie lösen bewusst starke Emotionen aus – vor allem Angst, Sorge und Verantwortungsgefühl.
Typisch ist ein Anruf mit einer dramatischen Geschichte:
Ein angeblicher Enkel hat einen schweren Unfall, eine Tochter soll in Haft, ein naher Angehöriger benötigt dringend Geld für eine Operation oder Kaution z.B. für eine Wohnung. Die Person spricht oftmals sehr gutes Deutsch und versucht die Person in ein Gespräch zu verwickeln. Manchmal meldet sich zusätzlich eine Person, die sich als Polizist oder Staatsanwalt, Arzt etc. ausgibt. In einer solchen Ausnahmesituation reagiert jeder Mensch zunächst emotional. Das ist völlig normal. Man möchte helfen – und zwar sofort. Genau diesen Moment nutzen Betrüger aus. Sie setzen ihre Opfer massiv unter Druck, drängen zur Geheimhaltung („Bitte sagen Sie niemandem etwas!“) und erzeugen Zeitstress („Es zählt jede Minute!“) und lassen den Opfer nicht die Möglichkeit aufzulegen, um die betreffende Person oder Freunde um Hilfe zu bitten. Oftmals wird vor den Bankangestellten gewarnt, dass diese mit den Tätern unter einer „Decke“ stecken. Wichtig ist: Wer auf eine solche Masche hereinfällt, ist nicht leichtgläubig oder naiv. Die Täter sind geschult, rhetorisch versiert und oft Teil organisierter, international agierender Netzwerke.




