Von Erika Beaudin-Gansl, Frauenreferentin
Frauen über 60 sind mindestens ebenso häufig von Gewalt betroffen wie jüngere – sie zeigt sich nur oft in anderer Form. Besonders relevant ist das schleichende „Einsickern“ von Gewalt in langjährigen Beziehungen sowie der Gewöhnungseffekt. Viele Betroffene sehen keine Alternative zu ihrer Situation. Nicht selten eskaliert Gewalt erst nach der Pensionierung des Partners; zugleich treten destruktive Verhaltensmuster im Alter mitunter deutlicher hervor.
Heuer bereits 14 Femizide
Auch bei Femiziden sind ältere Frauen stark betroffen. Zwischen 5. Jänner und 13. Juni 2026 wurden 14 Frauen von Männern ermordet, vier davon waren über 60 Jahre alt. Im privaten Bereich wie im Pflegekontext, in institutionellen Strukturen sowie im gesellschaftlichen und sprachlichen Umgang erfahren ältere Frauen Gewalt – oft subtiler, aber nicht weniger gravierend. Scham und Abhängigkeiten tragen dazu bei, dass Betroffene selten darüber sprechen. Seit 2010 liegen europaweite Studien zu Gewalt gegen ältere Frauen vor, ebenso Konzepte für wirksame Unterstützung und behördenübergreifende Zusammenarbeit. Politik und Verwaltung sind gefordert, dieses Wissen konsequent umzusetzen.
Frauen über 60 müssen gehört, gesehen und ernst genommen werden.
Hilfe für Betroffene
• Frauenhelpline (0–24 Uhr, anonym & kostenlos): 0800/222 555
• Gewaltschutzzentren: 0800/700 217
• Männernotruf (0–24 Uhr): 0800/246 247
• Männerinfo Krisenhelpline (0–24 Uhr, Chat/Telefon): 0800/400 777
In der neu erschienenen Ausgabe der MARIE 2026/27, dem Ratgeber für Frauen und Mädchen in Oberösterreich, wird informiert, welche Hilfestellungen bei Gewalt in Beziehungen aktuell angeboten werden. Die entsprechenden Kontakte zu Einrichtungen in den oberösterreichischen Bezirken werden aufgelistet. MARIE ist kostenfrei bei den SPÖ-Frauen Oberösterreich oder über die Landesorganisation des PVOÖ zu beziehen.
