Oberösterreich steht vor großen Herausforderungen: Bis 2040 wird die Zahl der Menschen über 65 Jahren auf rund 434.500 steigen, jene der über 80-Jährigen könnte sich auf rund 140.000 nahezu verdoppeln. Damit wächst auch der Bedarf an Pflegepersonal, Pflegeplätzen, mobilen Diensten und Unterstützung für pflegende Angehörige deutlich. Für den Pensionistenverband Oberösterreich (PVOÖ) ist daher klar: Jetzt braucht es verbindliche Lösungen, ausreichend Personal und eine gesicherte Finanzierung.
Ehrenamt ist wichtig – ersetzt aber keine professionelle Pflege
Der PVOÖ begrüßt, dass Pflege und Betreuung stärker in den politischen Fokus rücken und etwa mehr Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben sowie die Ausbildungszahlen gesteigert werden. Gleichzeitig vermisst der Verband konkrete Umsetzungspläne, Zeitvorgaben und nachvollziehbare Finanzierungsmodelle.
Gerade beim Ehrenamt brauche es professionelle Begleitung und Koordination. „Freiwilliges Engagement dort, wo es stattfindet, muss von hauptberuflichen Betreuer*innen begleitet werden“, betont Jutta Kepplinger. Dafür seien hauptberufliche Strukturen, Schulungen und eine nachhaltige Finanzierung notwendig.
Auch die Gemeinden könnten diese Aufgaben nicht einfach zusätzlich übernehmen, so der PVOÖ. Bei den geplanten „Sorgenden Gemeinden“ müsse das Land daher auch die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Bestehende Strukturen und Organisationen, die seit Jahren ehrenamtliche Arbeit leisten, sollten gezielt unterstützt werden.
Demenz und Pflegeplätze nicht ausklammern
Besonders kritisch sieht der PVOÖ, dass das Thema Demenz in der Betreuungsarchitektur aus seiner Sicht zu wenig berücksichtigt wird. Gerade Menschen mit fortgeschrittener Demenz benötigen professionelle Betreuung und entsprechende stationäre Pflegeplätze. „Infoportale, Sozialberatung oder sogenannte Lotsen sind zu wenig, ich brauche auch konkrete Pflegeplätze“, fordert Höpoltseder.
Eine zunehmende Verlagerung der Pflege in die Familien sei ebenfalls keine nachhaltige Lösung. Kleinere Familien, größere räumliche Distanzen und längere Erwerbszeiten erschweren es, immer mehr Betreuung durch Angehörige sicherzustellen. Zudem werde Care-Arbeit häufig von Frauen übernommen und könne deren Erwerbs- und damit Pensionsansprüche beeinträchtigen.
Gemeinden ebenfalls unter Druck
Bürgermeisterin Petra Mies aus Gurten und Bürgermeister David Allerstorfer aus Feldkirchen an der Donau schilderten die Situation aus Sicht der Gemeinden. Steigende finanzielle Belastungen, fehlende Planungssicherheit und die schwierige Suche nach ehrenamtlichen Helfer*innen stellen die Gemeinden vor große Herausforderungen.
Petra Mies: „Die Betreuungsarchitektur 2040 mit der sorgenden Gemeinschaft hört sich sehr gut an. Die derzeitige Realität ist aber anders.“ Aus Erfahrungen mit Vereinen wisse man, wie schwierig es bereits heute sei, freiwillige Helferinnen zu finden. Gerade rüstige Pensionist*innen würden künftig zwischen Enkelbetreuung und der Pflege von Angehörigen stehen.
David Allerstorfer fasste seine Kritik mit den Worten „Neue Überschrift, alte Strukturen“ zusammen: „Die Gemeinden blieben finanziell unter Druck, müssten aber weiterhin einen wesentlichen Teil der sozialen Infrastruktur mittragen. Gleichzeitig fehlt es an Planungssicherheit für langfristige Investitionen und Personalplanung. Pflege kann aber nicht von Jahr zu Jahr organisiert werden.“
Der PVOÖ fordert daher eine klare politische und finanzielle Verantwortung des Landes: mehr Personal, bessere Rahmenbedingungen, den Ausbau mobiler Dienste, innovative Wohnformen und ausreichend stationäre Pflegeplätze. „Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss sich darauf verlassen können, im Alter jene Betreuung und Pflege zu bekommen, die er braucht“, wissen Norbert Höpoltseder und Jutta Kepplinger.
