Am 12. Februar nahm uns der Steyregger Nachtwächter mit auf eine faszinierende Reise zu den geheimnisvollsten und geschichtsträchtigsten Orten der Stadt. Bei strahlendem Sonnenschein führte der Rundgang zunächst hinauf zum Schloss, wo wir einen beeindruckenden Blick über die Umgebung genießen konnten. Dort erzählte uns der Nachtwächter die bewegte Geschichte des Bauwerks. Besonders bemerkenswert: Der Schlossbrunnen reicht bis zum Grundwasserspiegel der Donau – rund 100 Meter tief.
Weiter ging es durch das historische Zentrum mit Stadtplatz, Schwibbogen, Stadtturm, Fischergasse und Teilen der alten Stadtmauer. Der Erlebnisweg umfasst insgesamt 20 Stationen, die durch anschauliche Bild- und Texttafeln ergänzt werden. Ein besonderes Highlight sind die „Natur-Sandkeller“, die sich an der Nordseite jedes Hauses am Stadtplatz tief in den Schlossberg ziehen. Dank ihrer konstanten Temperatur eigneten sie sich über Jahrhunderte ideal zur Lagerung von Lebensmitteln. Ihre Entstehung wird in das 13. bis 14. Jahrhundert – die Zeit der Marktgründung Steyreggs – datiert. Gegen Ende des Rundgangs überraschte uns leider der Regen, sodass wir uns umso mehr auf die Einkehr beim Stadtwirt freuten.
Bereits vor über 1.000 Jahren wurde oberhalb des heutigen Ortes eine Burg errichtet, um die Wasserwege von Donau und Traun zu kontrollieren. Direkt darunter entstand um 1280 die Stadt Steyregg mit ihrem Stadtplatz und der schützenden Stadtmauer.
Die besondere Lage an Donau und Traun machte das Gebiet schon seit der frühen Steinzeit zu einem begehrten Siedlungsraum. Eine steinzeitliche Siedlung in Windegg belegt eine Besiedelung bereits um 6.000 v. Chr. und gilt als bedeutender Handels- und Begegnungsort verschiedener Kulturen. Auch oberhalb des Klosters Pulgarn wurde eine größere Siedlung aus der Zeit um 3.500 v. Chr. – der Epoche Ötzis – nachgewiesen.
Etwa 1,5 Kilometer nördlich der Steyregger Brücke kam 1976 beim Ausbau der Bundesstraße ein slawisches Gräberfeld aus den Jahren 750 bis 900 n. Chr. zum Vorschein. In einer Tiefe von 1 bis 1,5 Metern wurden 20 Skelette von Kindern und Erwachsenen entdeckt, begleitet von Sargresten, Tongefäßen und Messern. Die Grabbeigaben deuten auf einen heidnischen Totenkult hin und zeigen, dass die Christianisierung zu dieser Zeit noch nicht in diese Region vorgedrungen war.
Das Schloss wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts renoviert und dient heute der Familie Salm-Reifferscheidt als Wohnsitz.

© OG Alberndorf
Nachtwächterwanderung in Steyregg
Ein historischer Erlebnisweg