Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Armut weit mehr bedeutet als finanzielle Not. Sie führt zu sozialer Ausgrenzung, eingeschränkter gesellschaftlicher Teilhabe und oftmals zu Einsamkeit sowie gesundheitlichen Belastungen. Besonders ältere Menschen mit Migrationshintergrund sind davon betroffen, obwohl viele von ihnen jahrzehntelang gearbeitet und wesentlich zum wirtschaftlichen Aufbau Österreichs beigetragen haben.
Viele Migrant*innen kamen als Arbeitskräfte nach Österreich und übernahmen oft körperlich belastende Tätigkeiten in Branchen mit niedrigen Löhnen, unsicheren Arbeitsverhältnissen oder unter schwierigen Bedingungen. Diese Arbeitsbiografien wirken sich bis heute auf die Pensionen aus. Da das österreichische Pensionssystem stark einkommensabhängig ist, führen niedrige Einkommen und unterbrochene Erwerbszeiten oft direkt zu Altersarmut.
Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch europäische und internationale Arbeitsbiografien. Versicherungszeiten aus anderen Ländern werden nicht immer vollständig anerkannt oder erschweren die Berechnung von Pensionen. Sprachbarrieren, fehlende Informationen über Ansprüche und bürokratische Hürden verschärfen die Situation vieler Betroffener zusätzlich.
Besonders betroffen sind migrantische Frauen. Viele von ihnen arbeiteten über Jahre in Teilzeit, übernahmen unbezahlte Care-Arbeit oder waren in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig. Gleichzeitig fehlt es häufig an ausreichender sozialer Absicherung. Dadurch zeigt sich deutlich: Altersarmut ist nicht nur sozial, sondern auch weiblich und migrationsbedingt geprägt.
Die Folgen sind gravierend. Viele ältere Migrant*innen leben mit finanziellen Einschränkungen, können soziale Aktivitäten kaum wahrnehmen und leiden verstärkt unter Isolation. Einsamkeit wurde im Rahmen der Veranstaltung als wachsendes gesellschaftliches Problem hervorgehoben. Gerade deshalb sind Begegnungsorte, soziale Netzwerke und gemeinschaftliche Angebote von großer Bedeutung, wie beispielsweise die Pensionist*innenklubs, Beratungsstellen und soziale Einrichtungen der Stadt Wien.
Organisationen wie der Pensionistenverband Österreichs, die Volkshilfe Österreich oder der Österreichischer Gewerkschaftsbund setzen sich aktiv gegen Altersarmut ein – durch Forschung, Beratung, soziale Hilfsangebote und politische Interessenvertretung.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden klare Forderungen formuliert: höhere Mindestpensionen, bessere Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten, faire Löhne, gleiche Bezahlung sowie eine stärkere Berücksichtigung internationaler Arbeitsbiografien im Pensionssystem. Ebenso wichtig sind Maßnahmen gegen Diskriminierung und für mehr soziale Integration im Alter.
Die Diskussion machte deutlich: Altersarmut von Menschen mit Migrationsgeschichte ist kein individuelles Problem, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheit. Wer jahrzehntelang gearbeitet und zur Gesellschaft beigetragen hat, muss auch im Alter würdevoll leben können. Dafür braucht es politische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Gesellschaft, die niemanden zurücklässt.



